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Versorgungsqualität in der ambulanten Palliativversorgung am Beispiel von Westfalen-Lippe

Die „Vereinbarung zur Umsetzung der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung von unheilbar erkrankten Patienten im häuslichen Umfeld“ legt seit 2009 den Rahmen für die ambulante Palliativversorgung im Raum Westfalen-Lippe fest. Die Besonderheiten dieser Vereinbarung sehen vor, dass Hausärzt*innen, Palliativmedizinische Konsiliardienste (PKD) und andere auf die Bedürfnisse Schwerstkranker und Sterbender spezialisierte Berufsgruppen, gemeinsam an der ambulanten Palliativversorgung beteiligt sind (Schlingensiepen 2017). Ein großer Teil der Hausärzt*innen in Westfalen-Lippe nimmt an dieser Vereinbarung teil, die es ihnen ermöglicht ihre Patient*innen auch in palliativen Situationen adäquat zu versorgen und eng mit einem PKD zusammenzuarbeiten (Hofmeister o.J.). Diese Zusammenarbeit ermöglicht eine ganzheitliche Versorgung der Patient*innen, bei denen Hausärzt*innen ihre Beteiligung an der Versorgung frei wählen und PKDs abgestimmt auf die Bedürfnisse der Patient*innen weitere multiprofessionelle Kooperationspartner*innen (u.a. Physiotherapeut*innen, Seelsorger*innen), in die Versorgung einbinden können.

Wenngleich Richtlinien, Verträge und Vereinbarungen zur ambulanten palliativen Versorgung bestehen, existieren aktuell nur begrenzt Daten zur erzielten Versorgungsqualität der ambulanten Palliativversorgung in Westfalen-Lippe. Darüber hinaus wurde auch die Patient*innenperspektive bislang nicht ausreichend untersucht (Freytag et al. 2019; Radbruch, Andersohn & Walker 2015). Letztere ist jedoch ein wichtiger Baustein, da ohne Erhebung der Patient*innenperspektive die Evaluation der Versorgungsqualität unvollständig bleibt (Koch et al. 2012).

Im Rahmen der dargestellten Studie werden bislang fehlende qualitativ-empirische Primärdaten erhoben und in Verbindung mit der Analyse von Krankenkassenroutinedaten zur Beschreibung der Versorgungsqualität in der ambulanten Palliativversorgung im geographischen Bereich Westfalen-Lippe ausgewertet. Hierzu werden im ersten Schritt mittels nicht-teilnehmender Beobachtungen die Arbeitsschritte von Versorgungsteams im beruflichen Alltag rekonstruiert. Durch eine umfassende Dokumentenanalyse – unter anderem der „Vereinbarung zur Umsetzung der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung […]“ – werden Strukturen, Begrifflichkeiten und formelle Rahmenbedingungen der ambulanten Palliativversorgung in der Region erfasst und ausgewertet. Im nächsten Schritt werden mittels n semi-strukturierter Leitfadeninterviews mit Mitarbeiter*innen aus PKDs, als auch mit Patient*innen und Angehörigen Daten zur wahrgenommenen Versorgungsqualität gewonnen. Im Anschluss werden die so erhobenen qualitativen Daten im Rahmen von Fokusgruppen mit Mitarbeiter*innen aus PKDs nachbesprochen und trianguliert. Mittels der geplanten Krankenkassenroutinedatenanalyse soll zudem beschrieben werden, wie sich das versorgte Patientenklientel in der Region Westfalen-Lippen zusammensetzt. Zusätzlich werden die für die Versorgungsqualität maßgeblichen Parameter wie Sterbeort, Krankenhausaufnahmen, intensivmedizinische Behandlungen sowie potenziell aggressive Therapien kurz vor Versterben (bspw. Chemotherapien, parenterale Ernährung, PEG-Sonden) analysiert.

Die Ergebnisse der Gesamtstudie sollen schlussendlich genutzt werden, um Herausforderungen aber auch mögliche Best-Practice-Beispiele der regionalen ambulanten Palliativversorgung zu identifizieren und daraus mögliche Handlungsempfehlungen zu erstellen.

Förderkennzeichen

Kein Förderkennzeichen vergeben

Ethik-Antrag (gestellt)

gestellt am 14.09.2021
erteilt am 22.12.2021 (Erteilung)

Projektträger

Berufsverband der Palliativmediziner in Westfalen-Lippe e. V. 
Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe e. V.

Projektlaufzeit

1,5 Jahre, 01.02.2022 bis 31.07.2023

Ansprechpartner*innen

Projektleitung

Jun. Prof. Dr. sc. med. Ina Otte 

Anastasia Suslow, MA
(Operative Projektleitung)

Kontaktinformationen

Kooperationspartner

  • Dr. rer. pol. Antje Freytag, Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena
  • Dr. med. Kathleen Stichling, Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena